Georg Klein

Dienstag, 1. August 2006



Geboren 1953 in Augsburg, lebt in Ostfriesland. Sein Roman "Libidissi" wurde 1998 als eines der wichtigsten Bücher gefeiert. 1999, im Erscheinungsjahr der Erzählungen "Anrufung des Blinden Fisches", wurde ihm der Brüder-Grimm-Preis verliehen und 2000 der Ingeborg-Bachmann-Preis. Sein Roman “Barbar Rosa” war das Ereignis des Frühjahrs 2001.

Astrid Fritz

Dienstag, 1. August 2006



Jahrgang 1959, ist im nordbadischen Pforzheim aufgewachsen. In München, Avignon und Freiburg studierte sie Germanistik und Romanistik. Nach dem Studium arbeitet sie zunächst als Fachzeitschriftenredakteurin, dann als Schulungsreferentin und technische Redakteurin für ein Freiburger
Softwarehaus. 1994 ging sie mit ihrer Familie für drei Jahre nach Santiago de Chile, wo sie als freie Mitarbeiterin für eine
deutsch-chilenische Wochenzeitung schrieb und ihr erstes Romanmanuskript entstand.

Inzwischen ist sie freiberufliche Texterin und Autorin und lebt mit ihrer Familie bei Stuttgart.

(Photo: privat)

Schluss! Aus!

Mittwoch, 12. Juli 2006


Hallo Kirsten! Vier wilde, lange Fußballwochen gehen zu Ende. Auch unsere Zeit als «Blutgrätsche»- Kolumnistinnen. Ich bin ja nicht gerade als Fan unserer Kanzlerin bekannt (welche Frau mit gesunden Reflexen lässt sich schon ungestraft von George W. Bush auf die Wange küssen, wie jüngst in Stralsund geschehen, ohne mit einer gestochenen Linken zu antworten?!). Trotzdem war ich irgendwie merkwürdig gerührt, als ich am 21. Juni 2006 bei spiegel-online die Überschrift las: «Merkel verteidigt Blutgrätsche». Danke, Angie!

Apropos Blutgrätsche: Ich möchte hier noch mal im Namen der Rowohlt-Online-Crew all denen DANKE! sagen, ohne deren Hilfe und Unterstützung unser Fußball-Blog nicht möglich gewesen wäre. Allen voran den Kolleginnen und Kollegen von hörbuch hamburg (denen wir die wundervollen Hörproben verdanken), der Sportfotoagentur pixathlon (danke, Jochen Raiß!) und Tanja Belancic von 06shirts, die Kirsten Fuchs und mir halfen, uns euch in coolen Blutgrätschen-T-Shirts präsentieren zu können. Und ohne Herrn Lehmann wäre gar nichts gegangen (zumindest in Köln-Nippes)! Merci! So, und jetzt ein letztes Mal zum Tagesgeschäft.

Zum Glück (oder besser: leider) hatte ich zuletzt ja jede Menge Zeit, mich abzulenken, nachdem mich ein grobes Foul schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen geworfen hatte. Arbeitsunfähig geschrieben,weil: Knie verdreht, gezerrt, gedehnt, schlimmer Bluterguss, psychosoziale Irritation etc.pp Wer glaubt, dass nur die Zidanes dieser Welt einen arg körperbetonten Fußball spielen, wenn ihnen Materatzis oder andere Ganoven vor den kahlrasierten Schädel laufen, irrt gewaltig. Auch im Frauenfußball wird mächtig geholzt. Ich sage nur: Torpedo Mülheim-Süd – Helene, alte Knochenbrecherin. Aber ich bin ja nicht nachtragend, zumindest nicht allzu doll.


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Fanweltmeister! Dritter!

Montag, 10. Juli 2006


Erstens: Wir sind Gastgeberweltmeister!;
Zweitens: Wir sind Fanweltmeister!
Drittens: Wir sind Dritter!

Ich hatte mir extra eine neu erworbene, heruntergesetzte Jacke mit zu meinem Freund genommen und neben die Rauchwaren zurechtgelegt, um daran den Knopf anzunähen, der für den Preisnachlass der Jacke verantwortlich gewesen war. Ich hatte so den Eindruck, wenn ich so in mich hineinschaute, so in mein Herzstadion, sag ich mal so in der eigentümlichen Art von Sportmoderatoren, die auch nach einem Spiel nicht aus ihrem sprachlichem Elf-Meter-Raum herauskommen, dass meine Euphorie nach der Niederlage gegen Italien im Abseits herumhing. Darum bereitete ich mich auf einen unaufregenden Fußballabend vor, bei dem es mir hauptsächlich um das Annähen eines Knopfes ging.

Der Knopf war nach dem Spiel immer noch nicht dran, und wir sind Dritter. „Na, ist doch auch was!“ sagte die Kindergärtnerin in meinem Kopf. Ja, ich habe eine Kindergärtnerin im Kopf, die sagte auch: „Da wollen wir doch jetzt alle mal fröhlich sein! Und wir fassen uns alle bei den Händen!“ Also waren ich und Freund fröhlich und fassten uns mit den Hände an diese. Das ZDF hörte gar nicht mehr auf zu übertragen, damit sich die Stimmung auch ja richtig übertrug. Freund bekam gar nicht genug davon und wippte froh mit seinem Fuß – das war seine Art, herumzuhüpfen und zu brüllen.


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Auskenner

Freitag, 7. Juli 2006


Heute ist spielfrei, und ich finde in meinem Strumpf einen Fußnagel, da gehört er ja auch hin … aber nicht abgeschnitten. Also, nichts Aufregendes zu vermelden, wenn nicht Fußball kommt.
Jetzt, wo Deutschland in dem Sinne raus ist, dass es nur noch um das klebrige Trostpflaster „dritter Platz“ kämpfen kann, wird da jeden Tag nur Fußnagel im Strumpf sein? Was ist nach der WM? Nur Fußnagel im Strumpf?
Was bin ich froh, dass ich als Zuschauer wenigstens bis zum Schluss dabei bin. Ich schaue bis ins Endspiel. Nur zwei Mannschaften kommen so weit wie der Zuschauer kommt.
Die armen Brasilianer. Ätschbätsch!


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David Gieselmann (Interview): Si tacuisses, Franz!

Mittwoch, 5. Juli 2006


WM-Devotionalien in jedem Schaufenster, Experten auf allen Kanälen, „ein Volk, ein Land, ein Fussball": Nervt dich die allgemeine Mobilmachung im Zeichen des Fußballs?
Natürlich nervt das wahnsinnig. Im Falle der WM ist jedoch das Genervtsein schon wieder Konsens, so daß es fast noch mehr nervt, daß alle so genervt sind. So bin ich jetzt wieder an dem Punkt, wo ich sage: Nutellagläser im Fußballdesign sind doch der eine Wahnsinn.

Was machen Sie fußballerisch zwischen dem 9. Juni und 9. Juli 2006: flüchten, standhalten – oder mitmachen?
Ganz klar: Mithalten. Der WM kann man sich nicht entziehen, selbst vor vier Jahren hat man ja um 8 Uhr Fußball geschaut. Diese WM war der Gipfel des Latte Machiato-Booms, weil diese Kaffeeform hier zusätzlich zum Symbol einer relaxten Lebenshaltung als Ersatz für Bier herhalten mußte. Das nur nebenbei bemerkt.


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Dieter Kürten (Interview):

Mittwoch, 5. Juli 2006


WM-Devotionalien in jedem Schaufenster, Experten auf allen Kanälen, «ein Volk, ein Land, ein Fußball»: Nervt Sie die allgemeine Mobilmachung im Zeichen des Fußballs?
Kann man wohl sagen!

Was machen Sie fußballerisch zwischen dem 9. Juni und 9. Juli 2006: flüchten, standhalten – oder mitmachen?
Mitmachen – als Interviewer fürs ZDF (zum Beispiel …)

In Einzelklausur, im Freundeskreis oder vor Großbildleinwänden: Wie werden Sie sich Ihre liebsten WM-Spiele anschauen?
Im Stadion.


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Schön dummdoof (Kirsten 9)

Mittwoch, 5. Juli 2006




Die gängigen Gründe, Fußball abzulehnen



Ist doch nur ein langweiliges Spiel. Ich weiß nicht, was daran so wichtig …
Ein Spiel! Elf Mann kämpfen für einen Sieg gegen elf Mann, die auch für einen Sieg kämpfen. Wenn nur eine Mannschaft gewinnen wollen würde, dann wäre es nur ein langweiliges Spiel.

Ist doch nur Krieg mit anderen Mitteln. Sind wir nicht viel zu zivilisiert, um solch ein …
Ja, aber wenn man nicht Krieg mit anderen Mitteln führen würde, würde man ja Krieg führen. Warum sind die Amis so schlecht im Fußball? Weil sie lieber richtig Krieg führen.


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Moritz Rinke (Fußball-Drama): Danach esse ich Maultaschen!

Mittwoch, 5. Juli 2006


Danach esse ich Maultaschen!

Die letzte Besprechung vor der WM / Ein Mini-Drama

Fünf Tage vor der WM. Oliver Bierhoff, der Teammanager der deutschen Fußballnationalmannschaft, in seinem Büro am Starnberger See. Er ist gut frisiert, sitzt vor seinem Laptop und starrt fassungslos auf www.fifaworldcup.com. Bierhoff befindet sich gerade im „Customer Self Service“ und versucht unter „Resale und Übertragung“ ungefähr 500 WM-Tickets, die auf seine Mutter ausgestellt sind, Freunden und Werbepartnern zu übertragen. Britta, seine Sekretärin, kommt vorsichtig herein.

BRITTA: Herr Bierhoff, entschuldigen Sie die Störung. Herr Klinsmann hat eine SMS geschickt. Er bleibt noch drei Tage länger in Kalifornien. Ist so schönes Wetter.

BIERHOFF: Ah ja.

Er drückt auf seiner imposanten Telefonanlage den Knopf „Mama“.

BIERHOFF: Mama, ich hasse die FIFA! Bei jedem Ticket, das ich übertrage, muss ich angeben, dass du krank bist! Eben habe ich aber aus Versehen „Tod“ angeklickt, Mutti! (Weint) Ich hab´ der FIFA gerade eine Email geschickt, dass du tot bist! (Fasst sich) Geh bitte bis zum 9. Juli nicht mehr ans Telefon. Du musst bis zum Finale tot sein, Mama, sonst kriegt der Typ von Krombacher die Tickets nicht! (Legt auf. Zu Britta) In 10 Minuten ist Conference-Call! Wo ist Jogi?


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Thomas Steffens (Interview)

Dienstag, 4. Juli 2006


WM-Devotionalien in jedem Schaufenster, Experten auf allen Kanälen, „ein Volk, ein Land, ein Fussball": Nervt Sie die allgemeine Mobilmachung im Zeichen des Fußballs?
Werbung nervt auch sonst ganz oft, hier nervt, dass jeder ins gleiche Horn bläst, wo man sich doch eigentlich lieber von anderen unterscheiden sollte...

Was machen Sie fußballerisch eigentlich zwischen dem 9. Juni und 9. Juli 2006: flüchten, standhalten – oder mitmachen?
Spiele im TV (ohne das Davor+Dazwischen+Danach), so viele wie möglich; am 21.6. im Stadion in München (Daumen drücken für die Elfenbeinfußballer).

In Einzelklausur, im Freundeskreis oder vor Grossbildleinwänden: Wie werden Sie sich Ihre liebsten WM-Spiele anschauen?
Maximal 3 Personen, ab und zu aber auch in einer Kneipe.


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Feldkaplan Kahn

Montag, 3. Juli 2006


Ihr erinnert euch noch an Herrn Lehmann, unseren großartigen Hofhund? Der ist, glaubt es oder nicht, nach dem Wegputzen der Schweden echt groß rausgekommen. Er ist mit Geertje extra nach Berlin gedüst, um – alles oder nichts! – seinem Idol Jens Lehmann gegen Argentinien vor Ort beizustehen. Leider erwiesen sich die Jungs von der Security am Olympiastadion als tumbe Spaßbremsen und ließen Herrn Lehmann nicht ins Stadion rein. Keine Akkreditierung als Journalist, keine gültige Eintrittskarte – was für bescheuerte Argumente! Immerhin, Grinsebacke Maradona, der vorher bei jedem Auftritt der Gauchos auf der Tribüne wie ein Flummi hin und her hopste (wie peinlich!), hat sich angeblich wegen Herrn Lehmann nicht ins Stadion getraut. Irgendwie war’s dann auch egal, dass Herr Lehmann sich am Rande der Fanmeile bei er goldenen Else aufgehalten hat und nicht im Stadion. «Mad Jens» muss gespürt haben, dass sein größter Fan ganz in der Nähe war: stark auf der Linie, souverän im Strafraum, cool im Elfmeterschießen.


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Dieter Kürten: Drei unten, drei oben

Sonntag, 2. Juli 2006


Für den ZDF-Sport war er ein Glücksfall. Über Jahrzehnte war er das Aushängeschild des Aktuellen Sportstudios. «Dieter Kürten kriegt jeden» war ein geflügeltes Wort in der Redakzion. Ob Muhammad Ali, Pelé, Johnny Weismüller oder Willy Brandt – alle standen ihm Rede und Antwort. In seiner Autobiographie Drei unten, drei oben spricht er über ungewöhnliche Menschen aus Sport, Kultur und Politik, über Freunde und Wegbegleiter.




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Willi Winkler (Interview)

Sonntag, 2. Juli 2006


WM-Devotionalien in jedem Schaufenster, Experten auf allen Kanälen, „ein Volk, ein Land, ein Fußball": Nervt Sie die allgemeine Mobilmachung im Zeichen des Fußballs?
Ich find's eher komisch, vor allem, wenn Hotels jetzt fußballfreie Tage anbieten.

Was machen Sie fußballerisch zwischen dem 9. Juni und 9. Juli 2006: flüchten, standhalten – oder mitmachen?
Mitsiegen.

In Einzelklausur, im Freundeskreis oder vor Grossbildleinwänden: Wie werden Sie sich Ihre liebsten WM-Spiele anschauen?
Je größer, je mehr, desto besser.


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Andrée Hesse (Interview): Erwarte wenig, hoffe aufs Beste

Sonntag, 2. Juli 2006


WM-Devotionalien in jedem Schaufenster, Experten auf allen Kanälen,“ein Volk, ein Land, ein Fussball": Nervt Sie die allgemeine Mobilmachung im Zeichen des Fußballs?
Es ist bei jeder WM oder EM das gleiche: Weil immer mehr Blödsinn geredet wird, verblasst meine Vorfreude, je näher das Ereignis rückt. Eine WM vereinigt leider immer die Spreu mit dem Weizen.

Was machen Sie fußballerisch zwischen dem 9. Juni und 9. Juli 2006: flüchten, standhalten - oder mitmachen?
Wenn es soweit ist, will ich dann doch möglichst viele Spiele sehen.


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Dieter Kürten: Biographisches

Samstag, 1. Juli 2006


(Photo: Thomas Müller)

Dieter Kürten wurde 1935 in Duisburg geboren. Journalist, seit 1963 beim Zweiten Deutschen Fernsehen. Live-Reporter bei zahlreichen Sport-Großereignissen. Seit 1967 moderierte er mehr als vierhundertmal das „Aktuelle Sportstudio“. Langjähriger Leiter der ZDF-Hauptredaktion Sport, später Sport-Chefreporter des ZDF. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. „Goldenes Mikrophon“ 1978, „Goldene Kamera“ 1982. Lebt in Wiesbaden.

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