Feldkaplan Kahn


Ihr erinnert euch noch an Herrn Lehmann, unseren großartigen Hofhund? Der ist, glaubt es oder nicht, nach dem Wegputzen der Schweden echt groß rausgekommen. Er ist mit Geertje extra nach Berlin gedüst, um – alles oder nichts! – seinem Idol Jens Lehmann gegen Argentinien vor Ort beizustehen. Leider erwiesen sich die Jungs von der Security am Olympiastadion als tumbe Spaßbremsen und ließen Herrn Lehmann nicht ins Stadion rein. Keine Akkreditierung als Journalist, keine gültige Eintrittskarte – was für bescheuerte Argumente! Immerhin, Grinsebacke Maradona, der vorher bei jedem Auftritt der Gauchos auf der Tribüne wie ein Flummi hin und her hopste (wie peinlich!), hat sich angeblich wegen Herrn Lehmann nicht ins Stadion getraut. Irgendwie war’s dann auch egal, dass Herr Lehmann sich am Rande der Fanmeile bei er goldenen Else aufgehalten hat und nicht im Stadion. «Mad Jens» muss gespürt haben, dass sein größter Fan ganz in der Nähe war: stark auf der Linie, souverän im Strafraum, cool im Elfmeterschießen.
Herr Lehmann ist mittlerweile wieder zurück in Nippes. Mit seinem Kumpel, em Kater Pauli, stellt er im Hof mit bewundernswertem Eifer jeden einzelnen Elfer nach – welche Gaudi! Für einen alten Haudegen bewegt sich Herr Lehmann noch erstaunlich flott. Torwarttechnisch ist er derzeit locker auf einem Level mit Oliver Kahn, dessen Dienste im jungen deutschen Team ja fast nur noch seelsorgerischer Natur sind. Bei den Klinsmännern spielt der Bayern-Keeper die Rolle des Feldkaplans mit überraschender Inbrunst. Hier eine aufmunterndes Wort für den kleinen Philipp, da eine kleine Beichte (Torsten Frings) oder ein freundliches «Vergelt’s Gott!» gegenüber Jens Lehmann. Endlich hat Olli seine wahre Bestimmung gefunden. Wenn das so weiter geht, ist seine Seligsprechung nur noch eine Frage von Monaten.
Ich selbst bin
nach meinem üblen Knieverdreher beim Spiel der Flotten Lotte gegen die Knochenbrechermädels von Torpedo Mülheim-Süd übrigens fast wieder fit. Präventives Humpeln nennt mein Doc den Schlurf- und Schleichgang, den ich mir angewöhnt habe. Nächste Woche darf ich endlich wieder mit meinem liebsten ballistischen Objekt üben. In meinem Übermut habe ich mich sogar von Max, meinem Liebsten, breitschlagen lassen, gemeinsam mit ihm und seiner kölschseligen Männer-Gang das Halbfinale gegen Italien mir anzuschauen. Im Klartext heißt das: Bier palettenweise einkaufen, Kartoffelsalat und Würstchen in rauen Mengen vorrätig halten. Sprüche deutlich oberhalb und knapp unterhalb der Gürtellinie aushalten. Schlimmer als das ist, die schiere Ahnungslosigkeit der Jungs in Sachen Fußball zu ertragen. Was haben sie sich erregt über den US-Fitnesstrainer Mark Verstegen, den Klinsi angeschleppt hat. Und wie haben sie sich das Maul zerrissen über den eidgenössischen Chefscout Urs Siegenthaler im Dienste des DFB. Verstegen und Siegenthaler, Ausländer mit der Lizenz, an unserem Nationalheiligtum herumzudoktern – Skandal! Und jetzt: « Laufen alles in Grund und Boden, superfit die Jungs,– wussten wir doch immer.» Und: «Glänzend eingestellt – kein Wunder, bei der Feindüberwachung.» Wahrscheinlich werden Max und seine Halbdebilen mir morgen Abend beibiegen wollen, sie hätten Klinsmanns Genialität schon immer darin gesehen, dass er in Huntington Beach residiert hat und nicht in Böblingen oder Backnang. Männer können so doof sein.

Trackbacks

    Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

    Noch keine Kommentare


Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhinden, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA 1CAPTCHA 2CAPTCHA 3CAPTCHA 4CAPTCHA 5


 
Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.