Dieter Kürten (Interview):
WM-Devotionalien in jedem Schaufenster, Experten auf allen Kanälen, «ein Volk, ein Land, ein Fußball»: Nervt Sie die allgemeine Mobilmachung im Zeichen des Fußballs?
Kann man wohl sagen!
Was machen Sie fußballerisch zwischen dem 9. Juni und 9. Juli 2006: flüchten, standhalten – oder mitmachen?
Mitmachen – als Interviewer fürs ZDF (zum Beispiel …)
In Einzelklausur, im Freundeskreis oder vor Großbildleinwänden: Wie werden Sie sich Ihre liebsten WM-Spiele anschauen?
Im Stadion.
Ihr schönstes WM-Erlebnis aller Zeiten? Und/oder das schlimmste?
Das berauschendste war das 3:4-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien bei der WM 1970 in Mexiko. Und das schlimmste. 1998 – das Verbrechen von Lens, als deutsche Hooligans den französischen Polizisten David Nivel fast totgeschlagen haben.
Lothar Matthäus verdankt die Welt den herrlichen Satz: «I hope we have a little bit lucky» – ein prima WM-Motto für die Klinsmannschaft. Oder was trauen Sie «UNS» zu?
Das Halbfinale.
«Erfolg ist wie ein scheues Reh», weiß Franz Beckenbauer. «Der Wind muss stimmen, die Witterung, die Sterne und der Mond.» Was muss alles zusammenkommen, damit die deutsche Elf im eigenen Land Erfolg hat?
Hinten dicht machen. Vorne hilft der liebe Gott.
Kahn oder Lehmann: Wenn Sie die T-Frage zu entscheiden hätten, wer wäre bei der WM Torwart Nr. 1? Und warum?
Jens Lehmann – weil er der bessere Fußballspieler ist.
Also – Deutschland scheidet als Dritter hinter Polen und Ecuador in der Vorrunde aus. Skizzieren Sie bitte in Stichworten «the day after».
Ich wandere aus. Nach Ecuador.
«Die Breite an der Spitze ist dichter geworden», hat Berti Vogts beobachtet. Wem von den Außenseitern (wie Angola, Trinidad & Tobago oder Iran) trauen Sie zu, das Überraschungsteam dieser WM zu werden?
Trinidad & Tobago.
Ihr Wunschfinale? Und Weltmeister wird …?
Klar, Deutschland–Brasilien wäre mein Traumfinale … Weltmeister wird Brasilien. Die deutschen Frauen um Birgit Prinz und Renate Lingor wurden in den vergangenen Jahren Welt- und Europameister. Was haben die deutschen Fußballfrauen, was ihren männlichen Kollegen fehlt?
Leichtere Gegner.
«Fußball leert den Kopf. Radikal und komplett. Das Denken wird schlicht», so Christoph Biermann von der Süddeutschen Zeitung. Geht es Ihnen beim Fußball ähnlich?
Er hat Alfredo di Stefano, Günter Netzer oder Pelé nicht spielen sehen – welch ein Genuss!
Bei Pasolini war es der FC Bologna, bei Nick Hornby ist es der FC Arsenal und bei Javier Mariás Real Madrid. Gibt es für Sie einen Club (egal wie groß oder prominent), der Herzklopfen auszulösen vermag?
Zur Zeit der FC Barcelona und der AC Mailand.
Wenn Sie ein Fußball-Allstar-Team aller Zeiten (samt Trainer!) aufstellen dürften – wer hätte bei Ihnen einen Stammplatz sicher?
Gesetzt sind auf jeden Fall zwei: Johan Cruyff im Mittelfeld. Und Hennes Weisweiler als Trainer.
Der Bundestrainer nach der WM 2006 heißt …?
Ottmar Hitzfeld.
Und Abseits ist …?
… wenn der Schiedsrichter pfeift.

