Willi Winkler (Interview)
WM-Devotionalien in jedem Schaufenster, Experten auf allen Kanälen, „ein Volk, ein Land, ein Fußball": Nervt Sie die allgemeine Mobilmachung im Zeichen des Fußballs?
Ich find's eher komisch, vor allem, wenn Hotels jetzt fußballfreie Tage anbieten.
Was machen Sie fußballerisch zwischen dem 9. Juni und 9. Juli 2006: flüchten, standhalten – oder mitmachen?
Mitsiegen.
In Einzelklausur, im Freundeskreis oder vor Grossbildleinwänden: Wie werden Sie sich Ihre liebsten WM-Spiele anschauen?
Je größer, je mehr, desto besser.
Ihr schönstes WM-Erlebnis aller Zeiten?
1990 die Siegesfeier auf St. Pauli.
Lothar Matthäus verdankt die Welt den herrlichen Satz: "I hope we have a little bit lucky" - ein prima WM-Motto für die Klinsmannschaft. Oder was trauen Sie „UNS" zu?
Nicht viel, aber Allah ist mit den Tapferen.
„Erfolg ist wie ein scheues Reh", weiß Franz Beckenbauer. „Der Wind muss stimmen, die Witterung, die Sterne und der Mond." Was muss alles zusammenkommen, damit die deutsche Elf im eigenen Land Erfolg hat?
Massel (Glück)
Hat Sie die Inszenierung der T-Frage (Kahn oder Lehmann?) eher genervt oder amüsiert?
Kahn ist über die Jahre zum Titanen gereift, eine literarische Figur, die mir jetzt schon fehlt.
Szenario: Deutschland scheidet als Dritter hinter Polen und Ecuador in der Vorrunde aus. Skizzieren Sie bitte in Stichworten "the day after".
Heulen und Zähneknirschen. „Die Breite an der Spitze ist dichter geworden", hat Berti Vogts beobachtet. Wem von den Außenseitern trauen Sie zu, das Überraschungsteam dieser WM zu werden?
Soll ich es wagen? Iran.
Ihr Wunschfinale? Und Weltmeister wird ...?
Deutschland – Brasilien. Weltmeister wird trotzdem Brasilien.
Die deutschen Frauen um Birgit Prinz und Renate Lingor wurden in den vergangenen Jahren Welt- und Europameister. Was haben die deutschen Fußballfrauen, was ihren männlichen Kollegen fehlt?
Diese Frage lehne ich als sexistisch ab.
„Fußball leert den Kopf. Radikal und komplett. Das Denken wird schlicht", so Christoph Biermann von der Süddeutschen Zeitung. Geht es Ihnen beim Fußball ähnlich?
„Schlicht denken ist ne jute Jabe Gottes", soll Adenauer gesagt haben, und der ist gleich nach Johannes B. Kerner der größte Deutsche.
Bei Pasolini war es der FC Bologna, bei Nick Hornby ist es der FC Arsenal und bei Javier Marias Real Madrid. Gibt es einen Club (egal wie groß oder prominent), der bei Ihnen Herzklopfen auszulösen vermag?
Schlicht (vgl. Frage 12), wie ich bin: Bayern München.
Wenn Sie ein Fußball-Allstar-Team aller Zeiten (samt Trainer!) aufstellen dürften – wer hätte bei Ihnen einen Stammplatz sicher?
Ballack, Beckham, Ronaldino, Gerd Müller, Sepp Maier, Pelé, Katsche Schwarzenbeck, Dieter Hoeneß, Totti, Zidane, (zähneknirschend:) Beckenbauer. Trainer: Sepp Herberger
Der Bundestrainer nach der WM 2006 heißt ...?
Ottmar Hitzfeld.
Abseits ist, …
… wenn der Schiedsrichter auch mal mitspielen will.

