Grüne Hölle (Elli 2)


Mit privaten Klamotten soll hier niemand behelligt werden. Bei BLUTGRÄTSCHE geht’s schließlich um Fußball und um sonst nichts. Aber genau hier kommt Max ins Spiel, der Mann, «wo an Ellis Seite ist» (O-Ton Mario Basler) und das schon seit mittlerweile sieben Jahren. Der Max ist ja eigentlich ein Guter, ich will mich nicht beschweren. Helle im Kopf, lustig und alles andere als uncharmant. Aber in Sachen Fußball ziemlich unterbelichtet. Das sieht Max natürlich anders, der Rest seiner Männerclique sowieso. Theo, Ralf, Willi, Sven und Mustafa, nicht gerade die Südkurven-Grölfraktion, aber nach sechs, sieben Kölsch ziemlich prollig in Bild und Ton.



Letzte Woche hatte Max Geburtstag, 39, eins vor Ernstfall. Und was kriegt mein Liebster geschenkt? Fußballschrott, wohin das Auge blickt. Gartenliege mit Bierhalter. Shirt mit falschen Grasflecken.. Fußballwecker zum An-die-Wand-Werfen. Sitzkissen in Schwarzrotgold, so ein Zeugs halt. Zu meinem sehr persönlichen Leidwesen machte die Schenkeslust auch vor so genannten „fußballaffinen Hygieneartikel“ nicht halt.

O.k., typische Duftnoten nach Männerschweiß, Goldkettchenabrieb, Bratwurst und Toilettensteinen, wie man sie früher aus der animalischen Welt des Fußballs kannte, sind passé. Aber was bitteschön soll das denn sein? Ein scharffruchtiges Deo aus der Rexona Special Edition Sport (samt Plastiktröte und Deutschlandfahne im Maßstab 75 x 120 cm), oder das offizielle WM-Parfüm, in der Kopfnote – aha! – eine Kreation aus Zitrone, Bergamotte und grünem Apfel. Jaja, Kopfnote. Hölle! Von wegen ‹Go wild, baby› … Nix wie weg! Nach einem dreistündigen Intensivtraining mit den Flotte-Lotte-Mädels rieche ich zehnmal verführerischer.

Absoluter Hit in Maxens Krabbelgruppe war die Voodoopuppe mit Wechseltrikots. Kindische Freude, Schenkelklopfen, prost und hoch die Tassen! Eine Geheimwaffe für jede WM-Herausforderung, suuuper! Die persische Mannschaft um Mehdi Mahdavikia wird stellvertretend für ihren durchgeknallten Präsidenten Ahmadinedschad abgestraft – von wegen Jubelperser! Und später hexen wir Brasiliens Wundersturm eine eklatante Abschlussschwäche an, wenn es gegen unsere Jungs geht. Ob Fuß oder Kopf, nix geht. „Ronaldinho, alles ist vorbei …“

Mit satanischem Vergnügen brachten sie dann noch Erzfeind Holland zur Strecke. Mit gezielten Nadelstichen ins unschuldige Leibchen. „Kommt doch ruhig mit eurem albernen ‹Hup, Holland, Hup›-Helm in Knallorange und Wehrmachtsdesign“, grölten sie. „Die Käse- & Kifferfront will uns das Licht ausknipsen, im eigenen Land? Träumt weiter. Bevor eure van der Vaarts, van der Nistelrooys, van der Sars, van der Bommels und van der Dingenskirchens überhaupt wissen, wo’s lang geht, seid ihr raus aus dem Turnier …“ So tobten und johlten sie und waren wieder einmal ganz bei sich in ihrem Testosteronghetto.

Wie gesagt: Männer, Alkohol und Fußball. Maßlos, haltlos, ahnungslos. Irgendwie … voll peinlich.

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