Totales Abseits (Elli 3)
Noch ein letztes Wort zu Max’ Geburtstag letzte Woche. Wenn die Qualität der Geschenke auf das Niveau der Freunde schließen lässt – dann ab mit Theo, Mustafa und dem Rest der Bande in den Orkus! Dieser ganze Devotionalienscheiß, ab in die Tonne. Würde ich ja gern machen, aber dann sitzen Max und ich nächste Woche in der Paartherapie. (O.k., realistisch ab dem 10. Juli, vorher sicher nicht.) Aber zu blöde sollten die Zerrüttungsanlässe nun auch wieder nicht sein. Deshalb: Schlamm drüber.
Noch ein allerletztes Wort, dann bin ich still. Wieso ist keiner außer mir auf die Idee gekommen, ihm was Ordentliches zu schenken, was zum Lesen etwa? Was von Christian Eichler oder Christoph Biermann vielleicht. Oder, noch besser, das Abseits-Buch von Rainer Moritz. Da hätten Max und seine Testosteron-Hirnis endlich mal was lernen können. Ich warte immer noch auf den ersten Mann, der Abseits vernünftig erklären kann. Nicht mir, ich bitte Sie. ICH weiß, was Abseits ist, ich renne an jedem Wochenende eigenfüßig mindestens fünf Mal in eben jenes. Und ich kann Abseits auch sagenhaft gut erklären, sogar Oma Luise hat’s begriffen (sagt sie). Aber ein bisschen Herrschaftswissen muss ich mir für die vier WM-Wochen aufheben.
Eigentlich wollte ich meine heutige Kolumne mit einem hammerharten Satz anfangen (und vier Zeilen lang so tun, als sei der aus meinen eigenen Hirnwindungen rausgepurzelt). Der Satz ist präzise gesagt zwei Sätze und lautet: «Glück ist eine flüchtige Größe. Der Mensch muss froh sein, wenn er in gewöhnlichem Unglück residiert statt in neurotischem Elend.» Ich sag ja, hammerhart. Dabei ist das für den Premium-Philosophen Peter Sloterdijk eher noch ein kätzchenzahmes Sätzchen. Good Old Sloty, alter Bhagwankumpel, du hast’s echt raus.
Wie ich jetzt drauf komme? Moment …, ach ja. Vor ein paar Tagen hab ich mich mit ein paar Mädels von der Flotten Lotte im Volksgarten getroffen. Ein bisschen rumgekickt, fünf gegen fünf, ganz lustig. Bis uns die Sorte Typen entdeckten, die nur im Rudel überlebensfähig zu sein scheinen. Offenbar lösen Fußball spielende Frauen bei Bier&Bratwurstmännern immer noch den Standard-Grölreflex aus: «Lesben vor, noch ein Tor …» Voll die Primatennummer, sagenhaft behämmert, Dabei haben wir nichts gemacht, außer ein bisschen rumzurennen und ein paar geile Tore zu schießen.
Jetzt, wo ProSieben die US-Lesben-Sitcom The L-Word ausstrahlt, kriegen diese Halbdebilen noch radikallesbischen TV-Anschauungsunterricht. Wir Flotten Lotten können da nicht mithalten. Unsere L-Words reimen sich eher auf L wie Laufbereitschaft, Linksaußen oder Laktatwert. Bei uns spielen prozentual nicht mehr Lesben als Schwule im Kader von Schalke oder Bayern stehen. So, und jetzt endlich zurück zum Sloty-Satz: Bei grölenden IQ-Wundern wie denen aus dem Volksgarten frage ich mich neuerdings immer, ob die noch im gewöhnlichen Unglück residieren oder schon voll im neurotischen Elend versackt sind.
Wie gesagt, Kirsten, Glück ist eine flüchtige Größe. Und damit zurück nach Kreuzberg.

