Moritz Rinke (Fußball-Drama): Danach esse ich Maultaschen!

Mittwoch, 5. Juli 2006


Danach esse ich Maultaschen!

Die letzte Besprechung vor der WM / Ein Mini-Drama

Fünf Tage vor der WM. Oliver Bierhoff, der Teammanager der deutschen Fußballnationalmannschaft, in seinem Büro am Starnberger See. Er ist gut frisiert, sitzt vor seinem Laptop und starrt fassungslos auf www.fifaworldcup.com. Bierhoff befindet sich gerade im „Customer Self Service“ und versucht unter „Resale und Übertragung“ ungefähr 500 WM-Tickets, die auf seine Mutter ausgestellt sind, Freunden und Werbepartnern zu übertragen. Britta, seine Sekretärin, kommt vorsichtig herein.

BRITTA: Herr Bierhoff, entschuldigen Sie die Störung. Herr Klinsmann hat eine SMS geschickt. Er bleibt noch drei Tage länger in Kalifornien. Ist so schönes Wetter.

BIERHOFF: Ah ja.

Er drückt auf seiner imposanten Telefonanlage den Knopf „Mama“.

BIERHOFF: Mama, ich hasse die FIFA! Bei jedem Ticket, das ich übertrage, muss ich angeben, dass du krank bist! Eben habe ich aber aus Versehen „Tod“ angeklickt, Mutti! (Weint) Ich hab´ der FIFA gerade eine Email geschickt, dass du tot bist! (Fasst sich) Geh bitte bis zum 9. Juli nicht mehr ans Telefon. Du musst bis zum Finale tot sein, Mama, sonst kriegt der Typ von Krombacher die Tickets nicht! (Legt auf. Zu Britta) In 10 Minuten ist Conference-Call! Wo ist Jogi?


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Moritz Rinke (Interview):

Freitag, 30. Juni 2006


WM-Devotionalien in jedem Schaufenster, Experten auf allen Kanälen, „ein Volk, ein Land, ein Fußball": Nervt Sie die allgemeine Mobilmachung im Zeichen des Fußballs?
Mich nervt noch viel mehr, dass die, die WM anfangs vollkommen überfrachtet haben, sich jetzt mit Ekel abwenden. Das ist dieses Medienphänomen in diesem Lande. Erst schreiben die sich alle den Ast ab, fressen alles in sich hinein, dann wird es kollektiv ausgekotzt. Deutsche Bulimie. Das Feuilleton kotzt am schönsten. Dass aber die eigene Zunft seit Monaten jede Ecke der eigenen Zeitung mit der WM verkauft, wird anscheinend verdrängt.

Was machen Sie fußballerisch während der WM: flüchten, standhalten – oder mitmachen?
Spiele ansehen.


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Moritz Rinke: Biographisches

Samstag, 24. Juni 2006

Geboren 1967 in Worpswede, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Gleichzeitig schrieb er Kolumnen und Reportagen. Von 1994 bis 1996 arbeitete er als Volontär, anschließend als Redakteur beim Berliner Tagesspiegel. Für seine Reportagen "Ein Tag mit Marlene" (1995) und über die Love Parade 1997 erhielt er zweimal den renommierten Axel-Springer-Preis. 1995 debütierte er als Dramatiker mit "Der graue Engel" (U 1996 am Schauspielhaus Zürich). "Republik Vineta" wurde 2001 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert und in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute zum besten deutschsprachigen Stück der Spielzeit 2000/2001 gewählt. Moritz Rinke lebt als freier Autor in Berlin.

Zu den Büchern (Klick auf das Cover für Details):