Schluss! Aus!

Mittwoch, 12. Juli 2006


Hallo Kirsten! Vier wilde, lange Fußballwochen gehen zu Ende. Auch unsere Zeit als «Blutgrätsche»- Kolumnistinnen. Ich bin ja nicht gerade als Fan unserer Kanzlerin bekannt (welche Frau mit gesunden Reflexen lässt sich schon ungestraft von George W. Bush auf die Wange küssen, wie jüngst in Stralsund geschehen, ohne mit einer gestochenen Linken zu antworten?!). Trotzdem war ich irgendwie merkwürdig gerührt, als ich am 21. Juni 2006 bei spiegel-online die Überschrift las: «Merkel verteidigt Blutgrätsche». Danke, Angie!

Apropos Blutgrätsche: Ich möchte hier noch mal im Namen der Rowohlt-Online-Crew all denen DANKE! sagen, ohne deren Hilfe und Unterstützung unser Fußball-Blog nicht möglich gewesen wäre. Allen voran den Kolleginnen und Kollegen von hörbuch hamburg (denen wir die wundervollen Hörproben verdanken), der Sportfotoagentur pixathlon (danke, Jochen Raiß!) und Tanja Belancic von 06shirts, die Kirsten Fuchs und mir halfen, uns euch in coolen Blutgrätschen-T-Shirts präsentieren zu können. Und ohne Herrn Lehmann wäre gar nichts gegangen (zumindest in Köln-Nippes)! Merci! So, und jetzt ein letztes Mal zum Tagesgeschäft.

Zum Glück (oder besser: leider) hatte ich zuletzt ja jede Menge Zeit, mich abzulenken, nachdem mich ein grobes Foul schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen geworfen hatte. Arbeitsunfähig geschrieben,weil: Knie verdreht, gezerrt, gedehnt, schlimmer Bluterguss, psychosoziale Irritation etc.pp Wer glaubt, dass nur die Zidanes dieser Welt einen arg körperbetonten Fußball spielen, wenn ihnen Materatzis oder andere Ganoven vor den kahlrasierten Schädel laufen, irrt gewaltig. Auch im Frauenfußball wird mächtig geholzt. Ich sage nur: Torpedo Mülheim-Süd – Helene, alte Knochenbrecherin. Aber ich bin ja nicht nachtragend, zumindest nicht allzu doll.


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Feldkaplan Kahn

Montag, 3. Juli 2006


Ihr erinnert euch noch an Herrn Lehmann, unseren großartigen Hofhund? Der ist, glaubt es oder nicht, nach dem Wegputzen der Schweden echt groß rausgekommen. Er ist mit Geertje extra nach Berlin gedüst, um – alles oder nichts! – seinem Idol Jens Lehmann gegen Argentinien vor Ort beizustehen. Leider erwiesen sich die Jungs von der Security am Olympiastadion als tumbe Spaßbremsen und ließen Herrn Lehmann nicht ins Stadion rein. Keine Akkreditierung als Journalist, keine gültige Eintrittskarte – was für bescheuerte Argumente! Immerhin, Grinsebacke Maradona, der vorher bei jedem Auftritt der Gauchos auf der Tribüne wie ein Flummi hin und her hopste (wie peinlich!), hat sich angeblich wegen Herrn Lehmann nicht ins Stadion getraut. Irgendwie war’s dann auch egal, dass Herr Lehmann sich am Rande der Fanmeile bei er goldenen Else aufgehalten hat und nicht im Stadion. «Mad Jens» muss gespürt haben, dass sein größter Fan ganz in der Nähe war: stark auf der Linie, souverän im Strafraum, cool im Elfmeterschießen.


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Herr Lehmann (Elli 5)

Samstag, 17. Juni 2006


Elli allein zuhaus. Weshalb in die Ferne schweifen, wenn man auch in Köln-Nippes frustriert sein kann. Nach dem Polen-Spiel, als ein La-Ola-Tsunami durchs Land fegte und auch das Rheinland bis tief in die Morgenstunden feierte, hing ich arme Sau zu Hause vor dem Fernseher fest. Elli Hinkebein – mein Knie ist eher schlimmer denn besser geworden, bandagiert und mit dicken Eisbeuteln bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Meinen Max habe ich zu seinen halbdebilen Fußballkumpels geschickt («Finale, oohoo, Finale, ooohooho»); wenn ich derzeit etwas absolut nicht abkann, dann Mitleid mit der armen Elli. Dabei könnte ich mir selbst in den Hintern treten. Wer außer mir ist auch so blöd, sich einer Dampframme wie Helene von Torpedo Mülheim-Süd in den Weg zu stellen?


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Torpedo? Wonderbra? (Elli 4)

Dienstag, 13. Juni 2006


Ich kann es nicht mehr hören. Die «Wade der Nation» zwickt und zwackt. Und weil das so ist, muss Ballack ein paar Tage aufs Training verzichten. Oh, wie schrecklich – und wer interessiert sich für mich???! Noch nicht einmal die Kölner Boulevardpresse hat aufgeschrien, als mir Helene, ein Brecher von Libero, pardon: Libera, im Viertelfinale der Bunten Frauenliga Köln voll in die Knochen gerauscht ist. Von wegen fromme Helene! Torpedo Mülheim-Süd, schon der martialische Name hätte alle Alarmglocken in mir schrillen lassen müssen: Elli, pass auf deine Knochen auf. Aber Elli passt nie auf ihre Knochen auf. Immer munter rein, nach mir die Sintflut, die Prellung, die Adduktorenzerrung, der Muskelfaserriss und was sonst noch bei den unteren Extremitäten im Angebot ist. 


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Elli Beinhart (Interview): Lass' Gott aus dem Spiel, Diego!

Dienstag, 6. Juni 2006


Technorati Profile
Fußball-WM in Deutschland: Hype ohne Ende, Experten auf allen Kanälen in allen Medien. Sind Sie genervt?
Man muss sich ja nicht jeden Quatsch anhören und erst nicht all den schwarz-rot-goldenen Denotionalienmüll kaufen. Das Infobombardement mit zum Teil bizarren Nebensächlichkeiten führt dazu, dass die wirklich spannenden Sachen (taktische Systeme, Trend zum One-Touch-Fußball, das beeindruckende Jugendprogramm des Schweizer Fußballverbandes etc.) regelrecht verschüttet werden – ja, das nervt.
Andererseits: Brasilien, Italien, England – in welchem Veranstalterland wäre der Hype nicht ebenso schrill? Genießen wir das überhitzte Klima, der Alltag nach dem 9. Juli wird uns ganz schnell wieder abkühlen. Und dann gibt’s mindestens zwanzig Jahre keine WM mehr in Deutschland. 


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Totales Abseits (Elli 3)

Donnerstag, 1. Juni 2006


Noch ein letztes Wort zu Max’ Geburtstag letzte Woche. Wenn die Qualität der Geschenke auf das Niveau der Freunde schließen lässt – dann ab mit Theo, Mustafa und dem Rest der Bande in den Orkus! Dieser ganze Devotionalienscheiß, ab in die Tonne. Würde ich ja gern machen, aber dann sitzen Max und ich nächste Woche in der Paartherapie. (O.k., realistisch ab dem 10. Juli, vorher sicher nicht.) Aber zu blöde sollten die Zerrüttungsanlässe nun auch wieder nicht sein. Deshalb: Schlamm drüber.



Noch ein allerletztes Wort, dann bin ich still. Wieso ist keiner außer mir auf die Idee gekommen, ihm was Ordentliches zu schenken, was zum Lesen etwa? Was von Christian Eichler oder Christoph Biermann vielleicht. Oder, noch besser, das Abseits-Buch von Rainer Moritz. Da hätten Max und seine Testosteron-Hirnis endlich mal was lernen können. Ich warte immer noch auf den ersten Mann, der Abseits vernünftig erklären kann. Nicht mir, ich bitte Sie. ICH weiß, was Abseits ist, ich renne an jedem Wochenende eigenfüßig mindestens fünf Mal in eben jenes. Und ich kann Abseits auch sagenhaft gut erklären, sogar Oma Luise hat’s begriffen (sagt sie). Aber ein bisschen Herrschaftswissen muss ich mir für die vier WM-Wochen aufheben.


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Grüne Hölle (Elli 2)

Montag, 22. Mai 2006


Mit privaten Klamotten soll hier niemand behelligt werden. Bei BLUTGRÄTSCHE geht’s schließlich um Fußball und um sonst nichts. Aber genau hier kommt Max ins Spiel, der Mann, «wo an Ellis Seite ist» (O-Ton Mario Basler) und das schon seit mittlerweile sieben Jahren. Der Max ist ja eigentlich ein Guter, ich will mich nicht beschweren. Helle im Kopf, lustig und alles andere als uncharmant. Aber in Sachen Fußball ziemlich unterbelichtet. Das sieht Max natürlich anders, der Rest seiner Männerclique sowieso. Theo, Ralf, Willi, Sven und Mustafa, nicht gerade die Südkurven-Grölfraktion, aber nach sechs, sieben Kölsch ziemlich prollig in Bild und Ton.


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Nippes Calling (Elli 1)

Montag, 15. Mai 2006


Danke für den netten Gruß, Kirsten. Nippes grüßt zurück. Leider kennen wir uns ja (noch) nicht persönlich. Aber in den nächsten Wochen haben wir ja reichlich Gelegenheit, uns auszutauschen.

Apropos Nippes: Köln trägt Trauer, auch mein heiß geliebter Stadtteil. Nicht der Abstieg an sich treibt uns die Tränen der Wehmut in die Augen, der stand im Prinzip seit Wochen schon fest. So doof, wie die sich zeitweise angestellt haben, geht die 2. Liga in Ordnung. (Aber nur für ein Jahr, Leute! sonst macht sich Tristesse im Rheinland breit.) Trauer trägt Köln, weil Prinz Poldi sich jetzt endgültig vom Acker macht, um tief im Süden der Republik einen Verein, dessen Namen hier nicht genannt werden soll, zum dritten Double in Folge zu ballern. Wat willse maache, kannse nix maache. Et kütt halt, wie et kütt.



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